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	<title>(k)ein Mängelexemplar</title>
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	<description>Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen, und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buch? (G. C. Lichtenberg)</description>
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		<title>Daniil Charms: &#8220;Seltsame Geschichten&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 14:30:22 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
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		<description><![CDATA[Berlin Verlag, 2009. 128 Seiten. Daniil wer? Daniil Iwanowitsch Juwatschow wurde 1905 in Sankt Petersburg geboren und starb dort 1942, allerdings hieß die Stadt dann Leningrad. Eben so wie die Stadt mehrere Namen trug, veröffentlichte Juwatschow unter verschiedenen Künstlernamen; der bekannteste (sofern man bei ihm überhaupt von einem Bekanntheitsgrad sprechen kann) ist Daniil Charms. Er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-413" href="http://www.kaihennig.de/2011/daniil-charms-seltsame-geschichten/charms_seltsame_geschichten"><img class="alignleft size-medium wp-image-413" style="margin: 5px;" title="Charms_Seltsame_Geschichten" src="http://www.kaihennig.de/wp-content/uploads/2011/05/Charms_Seltsame_Geschichten-180x234.jpg" alt="" width="180" height="234" /></a><em>Berlin Verlag, 2009. 128 Seiten.</em></p>
<p>Daniil wer? Daniil Iwanowitsch Juwatschow wurde 1905 in Sankt Petersburg geboren und starb dort 1942, allerdings hieß die Stadt dann Leningrad. Eben so wie die Stadt mehrere Namen trug, veröffentlichte Juwatschow unter verschiedenen Künstlernamen; der bekannteste (sofern man bei ihm überhaupt von einem Bekanntheitsgrad sprechen kann) ist Daniil Charms. Er schrieb Gedichte, Kurzgeschichten und Szenen, von allen findet  man etwas in diesem Sammelband. <span id="more-412"></span>Ich würde ihn irgendwo zwischen  Dadaismus, Absurdem und dem Nonsens einordnen. Das rückt ihn in die Nähe  der Neuen Frankfurter Schule (oder zeitlich natürlich korrekter diese  zu jenem): Beide verbindet z.B. das parallele Schaffen von Kinder- und  Erwachsenenliteratur, das fehlen logischer Zusammenhänge oder das Wiederholen von Fragmenten, das eine kindliche Unbeholfenheit vermittelt, nur um dann im nächsten Moment komisch gebrochen zu werden, wie z.B. in dem Gedicht &#8220;Herr Johann Friedrich Samowar&#8221;:</p>
<blockquote><p>Johann Friedrich Samowar,<br />
so hieß ein dicker Samowar,<br />
ein Zehnlitersamowar.<br />
Wasser hat darin gekocht,<br />
Wasser hat vor Wut gekocht,<br />
Dampf gefaucht und heiß gekocht,<br />
bis es in die Tasse rann,<br />
durch den Hahn nach außen rann,<br />
schnurstracks in die Tasse rann.<br />
[...]<br />
Und als letzter kommt der Fritz,<br />
ungewaschen kommt der Fritz,<br />
ganz am Ende kommt der Fritz.<br />
&#8220;Macht schon, her damit&#8221; er sagt<br />
&#8220;mit der Tasse Tee!&#8221; er sagt<br />
&#8220;Nur für mich allein!&#8221; er sagt.</p></blockquote>
<p>Charms veröffentlichte in Petersburger Zeitungen, hatte einigen Erfolg  mit Kindergedichten und Geschichten und versuchte parallel sein Glück bei den &#8220;richtigen Erwachsenenverlagen&#8221;, die ihn nicht drucken wollten. Sein Erfolg bei Kindern war sicher auch dadurch begründet, dass er neben dem lustigen Vortrag noch allerlei Zauberkunststückchen vorführte und keine Scheu hatte, sich selbst zum Kauz zu machen.</p>
<p>Charms beschreibt sich selbst:</p>
<blockquote><p>Es ist schwer, jemandem etwas über Charms zu sagen, der nichts von ihm weiss. Charms ist ein großer Dichter. Napoleon ist nicht so groß wie Charms, und Bismarck  ist im Vergleich zu Charms ein Nichts. Und die Lenins, Stalins und Trockijs sind im Vergleich zu Charms einfach Seifenblasen. Überhaupt sind alle Menschen Seifenblasen im Vergleich zu Charms.</p></blockquote>
<p>Bei so viel literarischem Selbstbewusstsein blieb es nicht aus, das Charms im stalinistischen Russland verfolgt wurde: Mehrfach wurde er verhaftet und wegen Beteiligung an einer antisowjetischen Vereinigung mehrere Jahre verbannt. Aus heutiger Sicht ist es fast unbegreiflich, welche Sprengkraft komische Literatur einmal besaß. Charms hat das wohl selbst früh erkannt, denn er schreibt:</p>
<blockquote><p>Gedichte schreiben muß man so, daß, wenn man das Gedicht gegen das Fenster wirft, das Glas zu Bruch geht.</p></blockquote>
<p>Charms baut keine großen Szenen, in der seine Welt ausgestattet wird. Der Alltag ist destilliert und die ganze Geschichte zielt auf die Pointe. Dabei werden die Geschichten durch die Illustrationen von Vitali Konstantinov getragen, gedeutet unterstützt und karikiert. Figuren vom Anfang tauchen in der Mitte des Buches auf, verschwinden im Hintergrund um dann zum Finale wieder zu erscheinen. Herrlich!</p>
<p>Der Sammelband &#8220;Seltsame Geschichten&#8221; ist ein Buch, an dem Kinder und Erwachsene ihre Freude haben können. Man muss nur wollen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Morton Rhue: &#8220;Asphalt Tribe&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Nov 2010 15:00:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kh</dc:creator>
				<category><![CDATA[2005]]></category>
		<category><![CDATA[Erzählendes]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenkinder]]></category>

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		<description><![CDATA[Ravensburger-Verlag, 2005. 224 Seiten. Heute geht es um das 2005 erschienene Buch &#8220;Asphalt Tribe&#8221; des Wellenmanns Morton Rhue. Der Asphalt Tribe ist eine Gruppe von Straßenkindern, die im eisig-winterlichen New York versuchen, zu überleben. Zu ihrer Gruppe gehören noch andere Jugendliche: Jewel und 2Moro, die sich in Discos für Geld an Männer verkaufen, Tears, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-367" href="http://www.kaihennig.de/2010/morton-rhue-asphalt-tribe/rhueasphalttribe"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-367" style="margin: 5px;" title="rhueasphalttribe" src="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/11/rhueasphalttribe-180x270.jpg" alt="" width="180" height="270" /></a><em>Ravensburger-Verlag, 2005. 224 Seiten.</em></p>
<p>Heute geht es um das 2005 erschienene Buch &#8220;Asphalt Tribe&#8221; des <a title="WP - Die Welle" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welle_%28Roman%29" target="_blank">Wellenmanns</a> <a title="WP -Morton Rhue" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Morton_Rhue" target="_blank">Morton Rhue</a>.</p>
<p>Der Asphalt Tribe ist eine Gruppe von Straßenkindern, die im eisig-winterlichen New York versuchen, zu überleben. Zu ihrer Gruppe gehören noch andere Jugendliche: Jewel und 2Moro, die sich in Discos für Geld an Männer verkaufen, Tears, die von ihrem Stiefvater misshandelt wurde, Rainbow, die ritzt,  Maggott, der die Welt verändern will und reiche Eltern hat oder OG mit seinem Hund Pest. <span id="more-223"></span>Maybe erzählt, wie der Tribe Tag für Tag nach Nahrung sucht und Nacht für Nacht um einen Schlafplatz bangen muss. Sie berichtet über die Hoffnung, das Glück und die Aussichtslosigkeit. Ständig werden Sie dabei von der Angst begleitet vor Zuhältern und Freiern, der Polizei, Psychopathen, die Obdachlose umbringen oder übereifrigen Sozialarbeitern.</p>
<p>Ein Lichtblick in der Geschichte ist der Bibliothekar Anthony, den Maybe kennen lernt. Er gibt ihr Essen und Kleidung und versucht ihr zu helfen. Maybe kann das Angebot aber nicht annehmen: Ihr Leben ist ein völlig anderes geworden, als das, was Jugendhilfeeinrichtungen von ihr erwarten.</p>
<p>Der Tribe lebt vom Betteln, Diebstahl, Tricksereien und Prostitution. Aber er lebt nicht gut davon. Rhue berichtet fast teilnahmslos davon, als Außenstehender. Selbst wenn man so etwas wie einen Handlungsrahmen finden mag, hier geht es nicht um einen Geschichtsverlauf, hier werden Blitzlichter besprochen. Man findet keinen erhobenen Zeigefinger, nirgendwo in dem Buch bekommt man gesagt: „So darf das nicht sein, so soll es nicht werden.“ Die Wertung bleibt einzig dem Leser überlassen. Rhue zeigt nur, wie (kurzes) Leben auch sein kann. Maybe muss ertragen, wie sich der Stamm nach und nach auflöst, durch Unterernährung, Selbstmord, Mord oder Krankheit.</p>
<p>Ein aufwühlendes Buch.</p>
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		<title>Morris Gleitzman: &#8220;Einmal&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Aug 2010 13:32:42 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Erzählendes]]></category>
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		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
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		<description><![CDATA[Carl Hanser Verlag, 2009. 192 Seiten. In „Einmal“ entdeckt ein kleiner Junge nach und nach die Verbrechen der Nationalsozialisten. Dabei ist das Buch aus Sicht dieses Jungen geschrieben und versucht, dessen Sprache abzubilden, der immer weniger über eine Sprache verfügt, die Sinnlosigkeit der Taten zu beschreiben. Felix ist neun Jahre alt und lebt seit über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><a rel="attachment wp-att-352" href="http://www.kaihennig.de/2010/morris-gleitzman-einmal/mgleitzman_einmal"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-352" style="margin: 5px;" title="mgleitzman_einmal" src="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/08/mgleitzman_einmal-180x270.jpg" alt="" width="180" height="270" /></a><em>Carl Hanser Verlag, 2009. 192 Seiten.</em></p>
<p>In „Einmal“ entdeckt ein kleiner Junge nach und nach die Verbrechen der Nationalsozialisten. Dabei ist das Buch aus Sicht dieses Jungen geschrieben und versucht, dessen Sprache abzubilden, der immer weniger über eine Sprache verfügt, die Sinnlosigkeit der Taten zu beschreiben.</p>
<p>Felix ist neun Jahre alt und lebt seit über drei Jahren in einem abgelegenen katholischen Waisenhaus in Polen. Felix glaubt fest daran, dass seine Eltern ihn aus dem Waisenhaus abholen werden. Felix ist Jude und die Geschichte spielt im Jahr 1942. Als Felix beobachtet, wie uniformierte Männer im Hof des Waisenhauses Bücher verbrennen, will er seine Eltern warnen und flieht, um sie zu suchen.<span id="more-348"></span></p>
<p>Auf seinem Weg in die Stadt sieht er merkwürdiges: Menschen ohne Kleidung, die auf einem Lastwagen zur „Wochenenderholung“ gefahren werden, wie er vermutet. Feldarbeiter, die alle zusammen an einem riesigen Loch graben oder verkohlte Häuserreste – wohl ein Unfall beim Bücherverbrennen, denkt Felix. Als Felix dann unterwegs die kleine Zelda rettet, fängt er langsam an zu verstehen, was die uniformierten Menschen wirklich tun, was ihr Plan ist und was das für ihn und Zelda bedeutet.</p>
<p>Dabei ist Felix eigentlich derjenige, der Realität umwandelt und nicht entdeckt, denn er ist der Geschichtenerzähler im Waisenhaus, unterwegs für Zelda, bei Barnek im Versteck oder beim Nazi-Offizier mit Zahnschmerzen: Jedesmal nimmt sich Felix ein kleines Stück Realität und verwebt es zu einer neuen (und schöneren) Geschichte. Doch das Erzählen fällt ihm immer schwerer, am Ende gelingt es ihm kaum noch.</p>
<p>Gleitzman erzählt schonungslos von den Verbrechen und von der Verzweiflung der Opfer. Dann, wenn er grauenvolles schildert und Felix ein totes Baby entdeckt, wird auch der tragische Held der Geschichte sprachlos: „Oh“ ist zunächst alles, was Felix zu sagen hat.</p>
<p>Ich habe mit der Ahnungslosigkeit Felix&#8217; Probleme. Ich kann es Gleitzman nicht völlig abkaufen, das Felix nichts weiß und lese daher manches als Naivität. Vielleicht liegt es daran, das hier das Kind spricht und nicht wie in z.B. Benignis „Das Leben ist schön“ der Vater, vielleicht liegt es auch an mir; mit Jugendlichen, die das Buch gelesen haben, habe ich nocht nicht sprechen können. Aber das ist auch der einzige Kritikpunkt. Gleitzman schafft es, die schwierigen Themen Judenverfolgung und Krieg kindgerecht aufzuarbeiten und in ein in sich stimmiges Werk zu gießen. Ein gutes Buch!</p>
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		<title>Chen Jianghong: &#8220;An Großvaters Hand&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 14:00:15 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Bilderbuch]]></category>
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		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<description><![CDATA[Moritz Verlag, 2009. 80 Seiten. Der kleine Ich-Erzähler berichtet von seiner Kindheit in China: Die Oma kocht und näht, die taubstumme Schwester geht in eine Gehörlosenschule und zeigt ihrem Bruder, wie man zeichnet, die Eltern kümmern sich gut um alle. Doch die wichtigste Bezugsperson für den Erzähler ist der Großvater, an dessen Hand er vieles [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-325" href="http://www.kaihennig.de/2010/chen-jianghong-an-grossvaters-hand/cjianghong_grossvatershand"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-325" style="margin: 5px;" title="cjianghong_grossvatershand" src="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/07/cjianghong_grossvatershand-180x162.jpg" alt="" width="180" height="162" /></a><em>Moritz Verlag, 2009. 80 Seiten.</em></p>
<p>Der kleine Ich-Erzähler berichtet von seiner Kindheit in China: Die Oma kocht und näht, die taubstumme Schwester geht in eine Gehörlosenschule und zeigt ihrem Bruder, wie man zeichnet, die Eltern kümmern sich gut um alle. Doch die wichtigste Bezugsperson für den Erzähler ist der Großvater, an dessen Hand er vieles kennenlernt. Dann beschließt Mao mit seiner Führungselite die Kulturrevolution und  alles wird anders. Der Vater muss ins Umerziehungslager.<span id="more-307"></span></p>
<p>Eines Tages kommt die örtliche Führungsriege zur Großmutter und tötet die Hühner &#8211; das Letzte, woran sich die Großmutter noch halten konnte. An seinem achten Geburtstag tritt der kleine Ich-Erzähler dann den Rotgardisten bei und ist hellauf begeistert, das Politische hat sich im Leben des Protagonisten festgesetzt.</p>
<p>Ich liebe Comics und Bildgeschichten und allerlei Text-Bild-Kombinationen, doch mit Jianghongs Werk tue ich mir nach wie vor schwer. Freilich, seine Geschichte über eine Kindheit in China ist etwas neues &#8211; aber dieses &#8220;Problem&#8221; tragen doch alle Graphic Novels mit sich herum: Den Druck und Zwang, eine neue Geschichte erzählen zu müssen, um dem Genre eine Berechtigung zu geben. (Wer liest schon Texte mit Bild, wenn er &#8220;richtig&#8221; lesen kann? Ein Problem mit dem sich der Comic leider immer noch herumschlagen muss und dass ich hier mal besprechen sollte.) Doch die Bildgeschichte ist und kann weitaus mehr, als nur ein Trägermedium für nie dagewesens zu sein.</p>
<p>Ob Jianghong das erkannt hat ist mir nicht klar geworden. Er ist Zeitzeuge, aber sein Bilderbuch wirkt auf mich nur wie eine Trägermasse ohne Bezug zu dem, was eine Text-Bild-Kombination leisten kann. Seine Geschichte macht auf mich einen beliebigen Eindruck. Da finde ich wenig rezvolles, kann auch keine &#8220;meisterhaften Rhythmusstudien&#8221; entdecken. Ich werde mir demnächst mal Lian ansehen, vielleicht liegt es ja an mir. Das Buch hier ist schön. Aber belanglos.</p>
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		<title>Brian Selznick: “Die Entdeckung des Hugo Cabret”</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 13:07:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kh</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Romantik]]></category>

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		<description><![CDATA[cbj Verlag, 2008. 544 Seiten. Achtung, dieses Buch hinterlässt bleibende Eindrücke, den was Selznick da geschaffen hat lässt einen (gut, zumindest mich) nicht mehr los. Selznick hat einen Roman gezeichnet, ein Bilderbuch getextet. Er hat etwas geschaffen, was mir so noch nicht bekannt war. Ich möchte es hier mal Korrespondenzroman nennen, um zumindest ansatzweise klar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-282" href="http://www.kaihennig.de/2010/brian-selznick-die-entdeckung-des-hugo-cabret/bselznick_hugocabret"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-282" style="margin: 5px;" title="bselznick_hugocabret" src="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/07/bselznick_hugocabret-180x282.jpg" alt="" width="180" height="282" /></a><em>cbj Verlag, 2008. 544 Seiten.</em></p>
<p>Achtung, dieses Buch hinterlässt bleibende Eindrücke, den was Selznick da geschaffen hat lässt einen (gut, zumindest mich) nicht mehr los. Selznick hat einen Roman gezeichnet, ein Bilderbuch getextet. Er hat etwas geschaffen, was mir so noch nicht bekannt war. Ich möchte es hier mal Korrespondenzroman nennen, um zumindest ansatzweise klar zu machen, um was es hier geht: Eine Geschichte, die in doppelseitigen Schwarzweißbildern und Text erzählt wird. Gleich mehr, erst die Geschichte:<span id="more-215"></span></p>
<p>Hugo Cabret ist Vollwaise. An seinen Vater hat Hugo nur wenig Erinnnerungen, nur, dass er Uhrenmacher und Tüftler war. Seit dem Tod seines Vaters lebt Hugo bei  seinem Onkel, der ein kleines Zimmer in einem Pariser Bahnhof hat und für die Uhren dort verantwortlich ist. Seit drei Monaten ist der Onkel aber verschwunden &#8211; wahrscheinlich ist er ertrunken (Hugo belauscht ein Gespräch zu Beginn des Buches im Bahnhof). Der Onkel war alkoholsüchtig und nicht besonders nett zu Hugo.  Hugo hat die Arbeit des Onkels klammheimlich übernommen: Er stellt die Uhren und zieht sie auf, er repariert sie ohne dafür Geld zu bekommen. Deshalb schleicht er regelmäßig durch den Bahnhof, um etwas zum essen zu stehlen. Dabei muss er sehr aufpassen, nicht dem Stationsvorsteher in die Finger zu geraten, denn der würde ihn direkt in ein Waisenhaus stecken.</p>
<p>Hugos kostbarster Besitz ist ein Notizbuch seines Vaters. Darin befinden sich viele Skizzen zu einem Automaten, den sein Vater einmal gebaut hat. Hugo hat die Reste dieses Automaten in einem Müllhaufen gefunden und in das Zimmer gebracht; dort versucht er nun, diesen zu reparieren. Die Ersatzteile dazu klaut er bei einem Spielwarenhändler im Bahnhof. Hugo wird dabei natürlich erwischt, das Buch wird ihm weggenommen aber zusammen mit Isabelle, der Tochter des Händlers schafft er es, den Automaten in Gang zu setzen. Es rattert und knattert und wir sehen die erste Entdeckung des Hugo Cabret.</p>
<p>Der zweite Teil der Geschichte handelt von einer weiteren Entdeckung Hugos, vielen alten Filmen und einer kleinen Familiengeschichte. Und es geht um George Méliès, doch mehr soll nicht verraten werden. Hier soll es eher nochmal um die Form gehen: Selznick hat es geschafft, weder einen Comic, ein Bilderbuch noch einen Roman zu schreiben sondern etwas Neues, dass mit eben diesen Formen korrespondiert. Die Bilder verdeutlichen weder den Text noch erklärt dieser, was die Bilder nicht zeigen können, denn Selznick verzichtet erfrischend auf gattungsübergreifende Redundanz. Man liest und sieht &#8211; nacheinander! Die Kohle- und Bleistiftzeichnungen Selznicks führen den Leser in die Zeit des Schwarzweißfilms. Das alles führt zu einer geheimnisvollen, dunklen ja sogar etwas schaurigen Stimmung die, angesiedelt irgendwann nach dem ersten Weltkrieg, diese Geschichte trägt. Genährt wird die Stimmung weiterhin durch den literarischen Kreuzverweis in die deutsche Romantik, wo das Automatenmotiv (u.a. ETA Hoffmann: <a title="Projekt Gutenberg - Der Sandmann" href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=604&amp;kapitel=1#gb_found">Der Sandmann</a>, Die Automate) häufig verwendet wurde.</p>
<p>Kurz und knapp also: Absolut undbedingt und ohne Abstriche selber lesen!!!</p>
<p>P.S. an alle, die sich bereits im Bann der Entdeckungen befinden: Natürlich will man am liebsten bei der Lektüre ein paar Filme von <a title="WP - Méliès" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georges_M%C3%A9li%C3%A8s" target="_blank">George Méliès</a> sehen. Bei youtube findet man (Kurz)filme wie z.B.  <a title="Youtube - Die Reise zum Mond" href="http://www.youtube.com/watch?v=xbGd_240ynk" target="_blank">&#8220;Die Reise zum Mond&#8221;</a>, <a title="Youtube - Das tanzende Skelett" href="http://www.youtube.com/watch?v=iBQpmWZ3ckg" target="_blank">&#8220;Das tanzende Skelett&#8221;</a> aber auch seine Magiestücke wie <a title="Youtube - Die verschwindende Jungfrau" href="http://www.youtube.com/watch?v=K4MnFACzKfQ" target="_blank">&#8220;Die verschwindende Jungfrau&#8221;</a> oder <a title="Youtube - Un homme de Têtes" href="http://www.youtube.com/watch?v=8oFnOAnL8Ss" target="_blank">&#8220;Un homme de Têtes&#8221;</a>. Das sollte man sich unbedingt ansehen. Wer sich ein wenig mehr über den Automaten informieren möchte findet auf den <a title="Franklin Institute - Maillardets Automat" href="http://www.fi.edu/learn/sci-tech/automaton/automaton.php?cts=instrumentation" target="_blank">Seiten des Franklin Institutes</a> weitere Informationen und zwei Videos.</p>
<p>Martin Scorsese arbeitet zur Zeit an einer Verfilmung mit Ben Kingsley als George Méliès und Sascha Baron Cohen als Stationsvorsteher! Ein Filmstart ist noch nicht bekannt.</p>
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		<title>Helen Vreeswijk: &#8220;Chatroom-Falle&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jul 2010 18:51:41 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Loewe-Verlag, 2009. 303 Seiten. Das Mauerblümchen Floor und ihre Freundin Marcia geraten über ein Flirtportal an eine Modelagentur.  Weder Floors gutgläubige und liebevolle Mutter, noch Marcias zerüttete Familie merken, dass es sich um ein reichlich unseriöses Angebot handelt.Bald stellt sich jedoch heraus, dass hinter der angeblichen Agentur ein Ehepaar steckt, dass mit den beiden fünfzehnjährigen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-261" style="margin: 5px;" title="hvreeswijk_chatroomfalle" src="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/07/hvreeswijk_chatroomfalle-150x200.jpg" alt="" width="130" height="173" /></p>
<p><em>Loewe-Verlag, 2009. 303 Seiten.</em></p>
<p>Das Mauerblümchen Floor und ihre Freundin Marcia geraten über ein Flirtportal an eine Modelagentur.  Weder Floors gutgläubige und liebevolle Mutter, noch Marcias zerüttete Familie merken, dass es sich um ein reichlich unseriöses Angebot handelt.Bald stellt sich jedoch heraus, dass hinter der angeblichen Agentur ein Ehepaar steckt, dass mit den beiden fünfzehnjährigen pornografische Fotos machen möchte. Mit Drogen werden sie schließlich gefügig gemacht.</p>
<p><span id="more-258"></span></p>
<p>Der erste Teil des Buches gleicht einem konstruiertem Erziehungslehrstück. Vreeswijk versuch, die Einsamkeit Floors Verzweiflung Marcias zu erfassen und es gelingt ihr auch, die Ohnmacht der Jugendlichen zu beschreiben, aber die Personen wirken eher wie Schachfiguren, die aufgestellt werden und von vornherein nur nach festgelegten Regeln handeln dürfen. Die Dialoge sind geradezu platonisch konstruiert. Ein kleines Beispiel?:</p>
<blockquote><p>Weißt du was, Floor, das ist unfair von dir! Du hast versprochen, mir zu helfen. Und jetzt kneifst du.&#8221; &#8220;Versprochen habe ich gar nichts, du hast mich gedrängt.</p></blockquote>
<p>Es liegt mir fern, hier gegen selbstreflexive fünfzehnjährige anzuschreiben, aber bei allem Respekt: So wie Frau Vreeswijk sich das ausdenkt, spricht doch niemand! So gestelzt, so überlegt und sachlich? Dazu kommt noch, dass die Geschichte nicht immer logisch ist, da gibt es Brüche und Fehler, für deren Vermeidung man im Film ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Script/Continuity" target="_blank">Continuity</a> benötigt. Im Buch wäre das wohl der Lektor&#8230;</p>
<p>Seis drum, im zweiten Teil wird es dann definitiv besser: Hier beschreibt Vreeswijk, wie die Polizei ermittelt und schließlich die Täter stellt. Da kennt sie sich aus und das merkt man &#8211; Helen Vreeswijk kommt aus dem Polizeidienst und arbeitet bei der niederländischen Kriminalpolizei. Die Polizisten handeln glaubhaft und man bekommt einen Einblick in die (niederländische) Ermittlungsarbeit. Hier entwickelt das Buch auch meiner Meinung seine großen Stärken in der Aufklärung über reale &#8220;Chatroom-Fallen&#8221;, nämlich dort, wo das Geschehene nur durchblitzt und die Folgen zu Tage gefördert wurden, dort, wo die Täter Mitgefühl verlangen und dort, wo Sachlichkeit verbindet.</p>
<p>Ich halte nichts von &#8220;Pflichtlektüre&#8221; aber Die &#8220;Chatroom-Falle&#8221; ist nicht nur ein Roman, sondern auch ein problemorientiertes Lehrstück und Ratgeber über Gefahren, die durch das Medium Internet entstehen können. Das Buch basiert &#8211; wie auch ihre anderen Bücher (&#8220;Im Visier des Stalker&#8221; und &#8220;Die Masche der Liebe&#8221;) auf realen Fällen.</p>
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		<title>David Gilmour: “Unser allerbestes Jahr”</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Jun 2010 16:11:50 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Vater und Sohn]]></category>

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		<description><![CDATA[Fischer-Verlag, 2009. 272 Seiten. Davids Sohn Jesse kommt mit der Schule nicht mehr zurecht. David, ein ehemaliger Filmkritiker und Journalist erlaubt seinem Sohn, die Schule abzubrechen. Jesse darf schlafen so lange er möchte, er darf tun und lassen was er will, von ihm wird nicht verlangt, dass er irgendwie an seiner Zukunft arbeitet oder sogar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="attachment wp-att-448" href="http://www.kaihennig.de/2010/david-gilmour-unser-allerbestes-jahr/gilmour_allerbestes_jahr"><img class="alignleft size-medium wp-image-448" style="margin: 5px;" title="Gilmour_Allerbestes_Jahr" src="http://www.kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/Gilmour_Allerbestes_Jahr-180x296.jpg" alt="" width="180" height="296" /></a>Fischer-Verlag, 2009. 272 Seiten.</em></p>
<p>Davids Sohn Jesse kommt mit der Schule nicht mehr zurecht. David, ein ehemaliger Filmkritiker und Journalist erlaubt seinem Sohn, die Schule abzubrechen. Jesse darf schlafen so lange er möchte, er darf tun und lassen was er will, von ihm wird nicht verlangt, dass er irgendwie an seiner Zukunft arbeitet oder sogar Geld verdient. David stellt nur zwei Regeln auf: Keine Drogen und jede Woche drei Filme, die Vater und Sohn zusammen ansehen. <span id="more-213"></span>Das lässt sich Jesse nicht zweimal sagen und so beginnt das riskante Erziehungsexperiment, währenddem sich David öfter fragt, ob er die Zukunft seines Sohnes opfert, um einmal in seinem Leben etwas cooles zu tun.</p>
<p>So startet also der Filmclub. Die Begeisterung Jesses für Nouvelle Vague oder Suspense hält sich (für den Leser) erwartungsgemäß in Grenzen. Doch David macht weiter und Jesse lässt sich darauf ein. So erfährt man neben der autobiografischen Geschichte von David und Jesse Gilmour noch eine ganze Menge über Filme und Filmkritik.</p>
<p>Gegen Ende wird das Buch etwas langweilig: Jesses Ausbrüche wiederholen sich und Davids Abnabelungsversuche werden mir ein bißchen zu detailiert beschrieben. Da hätte man gut und gerne zwei Bäckerdutzend Seiten kürzen können, aber das kann man ja verkraften. Was bleibt ist aber das gut aufbereitete Filmwissen und der waghalsige Pädagogikversuch. Beides macht einfach Laune zu Lesen. Am Schluss hat es Gilmour geschafft, ein nachenkliches, aber positives Ende zu beschreiben.</p>
<p>Das Buch ist von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 nominiert worden und das kann ich gut verstehen.</p>
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		<title>Jay Asher: &#8220;Tote Mädchen Lügen nicht&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 07:44:08 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[cbt-Verlag, 2009. 288 Seiten. Hannah ist tot. Hannah hat sich mit Tabletten das Leben genommen. Hannah hat vorher 7 Kassetten aufgenommen, auf denen sie erklärt, warum sie sich umgebracht hat. Das ist der überaus spannend klingende Grundentwurf von Jay Ashers Erstling &#8220;Tote Mädchen lügen nicht&#8221; (orig.: Thirteen Reasons Why) erschienen 2009 bei cbt. Clay Jensen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/jasher_totemaedchenluegennicht.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-206" style="margin: 5px;" title="jasher_totemaedchenluegennicht" src="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/jasher_totemaedchenluegennicht-187x300.jpg" alt="" width="187" height="300" /></a><em>cbt-Verlag, 2009. 288 Seiten.</em></p>
<p>Hannah ist tot. Hannah hat sich mit Tabletten das Leben genommen. Hannah hat vorher 7 Kassetten aufgenommen, auf denen sie erklärt, warum sie sich umgebracht hat. Das ist der überaus spannend klingende Grundentwurf von Jay Ashers Erstling &#8220;Tote Mädchen lügen nicht&#8221; (orig.: Thirteen Reasons Why) erschienen 2009 bei cbt.</p>
<p>Clay Jensen findet nach der Schule ein Päckchen mit Kassetten vor seiner Haustür. Er hört sich diese Kassetten alle in einer Nacht an, das Buch &#8220;Tote Mädchen lügen nicht&#8221; spielt in eben dieser Nacht. <span id="more-176"></span>Jede Kassettenseite ist einer Person gewidmet, die Hannahs Leben zerstört hat &#8211; und nur diejenigen, die Hannah für schuldig hält bekommen das Paket zugeschickt. So erfährt Clay eine Menge über seine Mitschüler, die er für friedlich und freundlich gehalten hat, doch Hannahs Elefantengedächtnis entkommt hier keiner: Jeder, wirklich jeder der ihr im Leben (eigentlich geht es nur um das letzte Jahr an der Highschool) weh getan hat, wird von ihr mit einer A- oder B-Seite bedacht.</p>
<p>Ist &#8220;Tote Mädchen lügen nicht&#8221; nun ein gutes Buch? Wenngleich man Inhalt und Form eigentlich kaum noch trennen kann und sollte, muss ich eben dies doch tun, um voran zu kommen. Die Geschichte ist äußerst spannend geschrieben, die Idee wirklich gut. Eine Tote zu hören und ihrem Rachefeldzug beizuwohnen: herrlich. Aber. Aber warum bitteschön arbeitet Jay Asher mit so derart überkommenen Moralvorstellungen? Eine Kassettenseite (und wo wir dabei sind: warum bitteschön Kassetten, das hätte man im 21. Jahrhundert pfiffiger lösen können) ist einer Situation gewidmet, bei der Hannah ihren Ruf an der Schule untergehen sieht, da sie von nun an als Schlampe gelten könnte: Sie küsst einen Mitschüler. Hallo? moralinsaurer kann man amerikanisches Werteverständnis wohl nicht in ein Jugendbuch schmuggeln.</p>
<p>Seis drum. &#8220;Tote Mädchen lügen nicht&#8221; bedient den kleinsten gemeinsamen Kriminenner von  Jugendlichen und  Erwachsenen, bleibt dabei aber spannend und &#8220;liest sich so weg&#8221;. Besonders interessant wird es dann nochmal zum Schluss &#8211; hier bleibt nämlich unklar, wer Täter ist und wer Opfer, da die Rollen oszillieren. Ein Buch zum lesen, nachdenken und dann wieder weglegen.</p>
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		<title>Linda Sue Park, u.a.: &#8220;Klick! Zehn Autoren erzählen einen Roman.&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 16:04:58 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Hanser Verlag, 2009. 224 Seiten. Großvater Gee ist tot. Der berühmte Fotograf ist an einem Herzinfarkt gestorben und hat seiner Enkelin Maggie ein Rätsel hinterlassen. Sie soll sieben Muscheln wieder zurück in das Meer bringen, aus dem Gee sie herausgeholt hat. „Ein Geschenk fürs Leben“ hat er da Maggie hinterlassen, wie sie recht schnell begreift. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><a rel="attachment wp-att-453" href="http://www.kaihennig.de/2010/linda-sue-park-u-a-klick-zehn-autoren-erzaehlen-einen-roman/klick-2"><img class="alignleft size-medium wp-image-453" style="margin: 5px;" title="klick" src="http://www.kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/klick1-180x276.jpg" alt="" width="180" height="276" /></a><em>Hanser Verlag, 2009. 224 Seiten.</em></p>
<p>Großvater Gee ist tot. Der berühmte Fotograf ist an einem Herzinfarkt gestorben und hat seiner Enkelin Maggie ein Rätsel hinterlassen. Sie soll sieben Muscheln wieder zurück in das Meer bringen, aus dem Gee sie herausgeholt hat. „Ein Geschenk fürs Leben“ hat er da Maggie hinterlassen, wie sie recht schnell begreift. Sie freut sich darauf, dass Gee sie weiter in ihrem Leben begleiten wird. Jede Muschel, ja sogar die Schatulle wird mit einer Geschichte verwoben, die den Leser um die Welt führen, mit Stationen in England, Irland, Frankreich, Russland und Japan. Damit man nicht so schnell den Überblick behält werden auch noch die Zeiten hin und her gewirbelt.<span id="more-198"></span>Die zehn Autoren greifen die Geschichten der anderen auf, spinnen sie weiter und entwickeln neue Schwerpunkte. „Viele Köche verderben den Brei“ heißt es. Verdorben mag ich den Roman (nun, eigentlich sind es doch eher zehn Kurzgeschichten, die in einem Zusammenhang stehen) nicht nennen, aber es ist und bleibt: Brei. Eine gute Idee alleine kann kein ganzes Buch tragen. Schade, ein Mängelexemplar. Mir ist nicht klar, wie dieses Buch so gute Kritiken bekommen konnte: Da ist nichts von den differenzierten Erzählstilen zu sehen, die persönliche Note jedes Autors ist verschwunden. Vielleicht hätten hier auch zehn Übersetzer an die Arbeit gehört, aber da möchte ich die Übersetzerin Birgitt Kollmann gar nicht kritisieren: Für Wunder ist sie nicht zuständig – die Geschichten wirken oftmals kladdrig oder lieblos und der große Bogen, das umfassende Ganze fehlt.“Mags-wirf sie alle zurück“ schreibt Gee in seinem letzten Brief an seine Enkelin – das Buch gleich hinterher.</p>
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		<title>Stian Hole: &#8220;Garmans Sommer&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Jun 2010 10:46:23 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Hanser Verlag, 2009. 48 Seiten. Der letzte Sommer vor der Einschulung kommt auf jeden Fall. In Garmans Fall geht er dann schneller, als ihm lieb ist. Garman ist fünf und kommt im Herbst in die erste Klasse. Sein Vater ist ein Orchestergeiger und geht ausgerechnet in diesem Sommer auf eine Konzertreise.Doch Garmans drei Tanten kommen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><a href="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/shole_garman.jpeg"><img class="alignleft size-medium wp-image-159" style="margin: 5px;" title="shole_garman" src="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/shole_garman-227x300.jpg" alt="" width="227" height="300" /></a><em>Hanser Verlag, 2009. 48 Seiten.</em></p>
<p>Der letzte Sommer vor der Einschulung kommt auf jeden Fall. In Garmans Fall geht er dann schneller, als ihm lieb ist. Garman ist fünf und kommt im Herbst in die erste Klasse.</p>
<p>Sein Vater ist ein Orchestergeiger und geht ausgerechnet in diesem Sommer auf eine Konzertreise.Doch Garmans drei Tanten kommen mit dem Schiff über den Fjord zu ihrem Sommerbesuch. Von ihnen will Garman mehr über die Angst wissen – über seine vor der Schule und dem Ungewissen und vor deren eigenen Ängsten.</p>
<p><span id="more-135"></span>Freilich, das Buch handelt von der Angst, davon, ob man jemals angstfrei sein kann und von der Schule als bevorstehender Bedrohung. Über den pädagogischen Sinn dahinter kann man vortrefflich streiten – aber dann bitteschön  mit den Kindern zusammen. Dann können die nämlich dabei lernen, dass nicht nur Tante Borghild vor etwas Angst hat, sondern eventuell auch die eigenen Eltern, Lehrer oder Mitschüler.</p>
<p>Die Bilder unterstützen die Bedrohung, die vom herannahenden Schulanfang ausgeht. Menschen wirken montiert und unverhältnismäßig, fast schon wie eine Karikatur aus Monty-Python&#8217;s-Flying-Circus, fratzenhaft.Gerade die Köpfe sind überdimensioniert, fast so, als ob sich die Erwachsenen über Garman beugen um um ihm zu sagen, was er zu tun und zu denken hat.</p>
<p>Kein Mängelexemplar. Es tut einfach gut, Garman zu beobachten oder mit ihm zu leiden und sich  an das Eine oder Andere aus seinem eigenen „letzten“ Sommer vor der Schule zu erinnern. Zu guter Letzt mag man noch über Garmans Angst schmunzeln: „So schlimm war die Schule dann doch nicht.“ Bleibt zu hoffen, dass der Nachfolger „Garmans Straße“ schnell nach Deutschland kommt.</p>
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		<title>Bibi Dumon Tak: &#8220;Kuckuck, Krake, Kakerlake: Das etwas andere Tierbuch&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Jun 2010 13:21:47 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Berlin Verlag, 2009. 96 Seiten. Bei diesem Buch versuche ich mal, mich kurz zufassen: Es ist einfach herrlich! Wir erfahren, wo das Thermometerhuhn lebt, lernen den Anglerfisch kennen und wissen nun, dass der Monarchenfalter keine Könige zerbastelt aber trotzdem eine lustige Geschichte mit sich bringt. Bibi Dumon Tak gräbt die skurrilsten Kreaturen aus und präsentiert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/bdumon_kuckuck.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-162" style="margin: 5px;" title="bdumon_kuckuck" src="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/bdumon_kuckuck-188x300.jpg" alt="" width="188" height="300" /></a><em>Berlin Verlag, 2009. 96 Seiten.</em></p>
<p>Bei diesem Buch versuche ich mal, mich kurz zufassen: Es ist einfach herrlich! Wir erfahren, wo das Thermometerhuhn lebt, lernen den Anglerfisch kennen und wissen nun, dass der Monarchenfalter keine Könige zerbastelt aber trotzdem eine lustige Geschichte mit sich bringt.</p>
<p>Bibi Dumon Tak gräbt die skurrilsten Kreaturen aus und präsentiert sie uns in einem wunderschönen Band. Der Text wird dabei unterstützt durch die minimalistischen  Schwarzweiß-Zeichnungen von Fleur van der Weel. Das Buch ist auf der diesjährigen Nominierungsliste des Deutschen Jugendbuchpreises in der Sparte Sachbuch. <span id="more-137"></span>&#8220;Kuckuck, Krake, Kakerlake&#8221; hätte aber ebenso gut als Bilder-, Kinder- oder Jugendbuch seine Berechtigung auf der Liste gehabt. Besonders gelungen sind die zahlreichen Querverweise und nachgereichten Information zu schon besprochenen Tieren: Hier bricht das Buch mit der plaudernden Nebenbeivermittlung von kuriosen Fakten und gewinnt Sachbuchcharakter mit Randnotizen, Fußnoten und allem was dazu gehört. Einzig das empfohlene Lesealter von sechs Jahren finde ich etwas gering, um an dem BuchFreude haben zu können sollte man doch nicht unbedingt aufs Vorlesen angewiesen sein sondern die Möglichkeit haben, selbst auf Entdeckungsreise gehen zu können. Andererseits wäre es auch sehr schade, bekäme man keine einzige der kleinen Geschichten vorgelesen, weil man eventuell schon &#8220;zu alt&#8221; sei.</p>
<p>Wir lernen, dass der Wasserreservoirfrosch kleine Ewigkeiten in seinem eigenen Saft auf neuen Regen wartet und so langsam zur Mumie wird: Hoffentlich lässt uns Bibi Dumon Tak nicht auch so lange auf einen Nachfolger warten &#8211; es gibt sicher noch genug Tiere, die in einem &#8220;etwas anderen Tierbuch&#8221; erwähnt werden sollten.</p>
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		<title>Nadia Budde: &#8220;Such dir was aus, aber beeil dich!&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Jun 2010 09:12:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Fischer Verlag, 2009. 192 Seiten. Die 1967 in Ostberlin geborene Nadia Budde landete gleich mit ihrem Erstling „Eins zwei drei Tier“ einen großen Wurf und wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2000 ausgezeichnet. Zuvor war sie Gebrauchswerberin und studierte Grafik in Berlin und London. 2010 ist sie nun wieder nominiert mit „Such dir was aus, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><a href="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/nbudde_such1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-167" style="margin: 5px;" title="nbudde_such" src="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/nbudde_such1-201x300.jpg" alt="" width="201" height="300" /></a><em>Fischer Verlag, 2009. 192 Seiten.</em></p>
<p>Die 1967 in Ostberlin geborene Nadia Budde landete gleich mit ihrem Erstling „Eins zwei drei Tier“ einen großen Wurf und wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2000 ausgezeichnet. Zuvor war sie Gebrauchswerberin und studierte Grafik in Berlin und London. 2010 ist sie nun wieder nominiert mit „Such dir was aus, aber beeil dich!“. Hier beschreibt (nun, im Grunde bezeichnet sie ja) sie eine Kindheit in der DDR, irgendwo zwischen Propaganda und Kittelschürzen.<span id="more-126"></span></p>
<p>Wie eine Mutter, die von ihren Kindern bedrängt wird, endlich ihre Geschichte zu erzählen, beschreibt Nadia Budde, wie Kindheit war und packt dies in ihre Bilder. Klare Linien, flächige Farben, einfache Strukturen – die Zeichnungen sind nur vordergründig einfach, dahinter verbirgt sich ein Ost-Kosmos, ohne jemals wehmütig nach den „guten alten Zeiten“ zu verlangen. So sind es ja oft nicht die geschichtsträchtigen Ereignisse, durch die man sich erinnern kann und die Zeiten fühlt und schmeckt sondern die kleinen Krümel am Wegesrand, aus denen eine ganze Welt entsteht.</p>
<p>Nadia Budde behauptet nicht, sie erzählt einfach. So erzählt sie vom „Stadttod und Landtod“, überlegt, ob die Landfrauen nach ihrem Friseurbesuch anders aussehen oder stellt fest, dass sich die Wohnungen in der Stadt nicht vergleichen lassen, da sie vollkommen miteinander übereinstimmen.</p>
<p>Da wird geschmunzelt und es menschelt in allen Ecken, mal voller Tragik, mal voller Ironie, aber niemals mit erhobenem Zeigefinger.</p>
<p><strong>Fazit:</strong></p>
<p>Das Buch ist kein Mängelexemplar! Es ist eine wildgewordene Kreuzung aus Tagebuch, Graphic Novel, Bilderbuch und Kurzgeschichte – absolut lesenswert! So schließt diese Besprechung in Anlehnung an das Buch: Nach zwei braunen Doppelseiten haben Statler und Waldorf das Wort: „Applaus, Applaus, Applaus!“ Einzig verwunderlich bleibt, wie dieses Buch auf der Nominierungsliste zum Kinder- uns Jugendbuchpreis 2010 gelandet ist: Kindheit in der DDR aus autobiografischer Sicht erscheint mir dann doch eher etwas für eine ältere Generation.</p>
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		<item>
		<title>Mirjam Pressler: &#8220;Nathan und seine Kinder&#8221;</title>
		<link>http://www.kaihennig.de/2010/mirjam-pressler-nathan-und-seine-kinder</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 14:25:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kh</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Beltz Verlag, 2009. 257 Seiten. Die 1940 geborene Mirjam Pressler übersetzt Bücher und sie schreibt auch welche. Sie hat in einem Kibbuz in Israel gelebt und spricht Hebräisch und Jiddisch. Nun kommt sie mit einer Variation zum klassisch-humanistischen Drama &#8220;Nathan der Weise&#8221; daher und überträgt dieses in eine moderne Romanform. Dabei behandelt sie den Stoff [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/mpressler_nathan1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-165" style="margin: 5px;" title="mpressler_nathan" src="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2010/06/mpressler_nathan1-193x300.jpg" alt="" width="193" height="300" /></a><em>Beltz Verlag, 2009. 257 Seiten.</em></p>
<p>Die 1940 geborene Mirjam Pressler übersetzt Bücher und sie schreibt auch welche. Sie hat in einem Kibbuz in Israel gelebt und spricht Hebräisch und Jiddisch. Nun kommt sie mit einer Variation zum klassisch-humanistischen Drama &#8220;Nathan der Weise&#8221; daher und überträgt dieses in eine moderne Romanform. Dabei behandelt sie den Stoff voller Respekt vor den Klasikern, ebenso wie voller Respekt vor den jugendlichen Lesern.</p>
<p><span id="more-116"></span><strong></strong>Der jüdische Händler Nathan lebt in Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge. Das Land ist nicht nur von den blutigen Feldzügen zerrüttet sondern auch durch religiöse Eifereien entzweit. Christen verachten die Juden ebenso wie die Muslime; eigentlich kann kaum einer mit dem anderen. In dem sicher nicht einfachen Leben dort wirkt Nathans Haus wie eine Oase: Nathan zeigt sich frei von Vorurteilen gegenüber dem Christentum und dem Islam. So ist ein Freund von ihm Muslim (???) und Daja, die Gesellschafterin seiner Tochter Recha ist Christin, seine Freigiebigkeit macht vor den Religionen nicht halt. Und so wird auch im Umfeld Nathans Gutes mit Gutem vergolten, wenn z.B. der Sultan Saladin den jungen Templer Curd von Stauffen begnadigt und dieser darauf Nathans Tochter aus einem Häuserbrand rettet.</p>
<p>Der Herrscher von Jerusalem, Sultan Saladin ist bankrott und möchte Nathan um das nötige Geld bitten. Nathan und sein Gefolge ahnen jedoch wenig gutes, da Saladin sich oft als grausamer und schlimmer, immer jedoch als undurchschaubarer Herrscher gezeigt hat.</p>
<p>Saladin heckt nun tatsächlich eine List aus: Durch eine Fangfrage will er Nathan zu einer Gotteslästerung verleiten, doch Nathan antwortet geschickt – mit der Ringparabel. So trennen sich beide in Freundschaft. Wir hingegen lesen eine herrliche Prosaübertragung von Lessings aufklärerischem Glanzstück &#8211; selbst heute hat die Ringparabel nichts an ihrer ursprünglichen Kraft eingebüßt.</p>
<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->Hier soll noch mal jemand sagen, dass Klassiker keine Aktualität besitzen oder Literatur fernab vom Alltag steht: Religionsfanatismus, -kontroversen und -kriege sind wohl unangefochten hochaktuell.Und so schafft es Mirjam Pressler nicht nur diesen brisanten Stoff zu bearbeiten und die Versöhnlichkeit der Vorlage zu bewahren, sie schafft es auch nebenbei, einen kanonisierten Klassiker in die Moderne zu heben. Freilich setzt sie neue Schwerpunkte, kürzt hier und da, aber alles ganz leise und unaufgeregt.</p>
<p>Der Roman erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der Beteiligten – einzig Nathan berichtet nicht selbst. Jeder bringt dadurch etwas persönliches in die Geschichte, z.B. die Herkunft des Tempelritter oder die Geschichte des Hausjungen Geschem. So bekommt man durch die gute Recherchearbeit von Mirjam Pressler einen realistischen Eindruck der damaligen Zeit, man erfährt vieles über die Kreuzzüge oder wird ganz praktisch in das Denken der Aufklärung eingeführt. Wohlgemerkt: Nebenbei! Im Vordergrund steht die Geschichte.</p>
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		<title>Nicolas Mahler: &#8220;Kunsttheorie vs. Frau Goldgruber&#8221; und &#8220;Die Zumutungen der Moderne&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Dec 2009 15:21:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Erzählendes]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>

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		<description><![CDATA[Reprodukt Verlag, 2006. Ganz in der Tradition (post)moderner Metacomics gibt Nicolas Mahler in „Kunsttheorie vs. Frau Goldgruber“ und „Die Zumutungen der Moderne“ einen Einblick in die Literaturmaschinerie und das Kunstschaffen. Mit seinen tuschegewordenen Minimalcharakteren gelingt ihm ein Blick auf das Wesentliche: Die Wunde des Gegenstandes, den er betrachtet. So braucht Mahler auch nicht viel Platz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;"><a rel="attachment wp-att-463" href="http://www.kaihennig.de/2009/gelesen-mahler/mahler_kunsttheorie"><img class="alignleft size-medium wp-image-463" style="margin: 5px;" title="Mahler_Kunsttheorie" src="http://www.kaihennig.de/wp-content/uploads/2009/12/Mahler_Kunsttheorie-180x252.jpg" alt="" width="180" height="252" /></a><em>Reprodukt Verlag, 2006. </em></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ganz in der Tradition (post)moderner Metacomics gibt Nicolas Mahler in „Kunsttheorie vs. Frau Goldgruber“ und „Die Zumutungen der Moderne“ einen Einblick in die Literaturmaschinerie und das Kunstschaffen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Mit seinen tuschegewordenen Minimalcharakteren gelingt ihm ein Blick auf das Wesentliche: Die Wunde des Gegenstandes, den er betrachtet. So braucht Mahler auch nicht viel Platz um seine Geschichten zu erzählen, er folgt meistens dem Muster &#8220;Gegenstand skizzieren, Wunde zeigen, drin rumbohren, fertig.&#8221;Mahler bringt die Striche einfach auf den Punkt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span id="more-79"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Zum Einstieg sei hier sein vielleicht persönlichstes Buch empfohlen, der autobiographische Anekdotenband &#8220;Kunsttheorie vs. Frau Goldgruber.&#8221; Dabei bleibt jedoch stets zu bedenken, was <a href="http://lichtermagazin.blogspot.com/2008/07/nicolas-mahler-die-zumutungen-der.html">Martin Boehnert</a> schon über Autobiographisches im Comic schrieb:</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wohlweislich, dass es sich hier um eines der verführerischsten Medien von allen handelt, denn die suggestiven Wort-Bild-Verschmelzungen scheinen sich einer rationellen Argumentation zu entziehen: Wie können wir schließlich bezweifeln, was uns vor Augen geführt wird?</p>
</blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;">&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Beziehungsweise: Burn after reading</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Nov 2009 16:05:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesehen]]></category>
		<category><![CDATA[coen]]></category>
		<category><![CDATA[davidson]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[handlungstheorie]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwar nicht mehr topaktuell, aber auch noch nicht ganz veraltert: Burn after Reading.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ganz hübsch zeigt einem der Film <em>Burn after reading</em> von den <a title="WP: Coen-Brüder" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ethan_und_Joel_Coen" target="_blank">Coen-Brüdern</a>, dass es eben doch keine isolierten Handlungen gibt. Mal kurz zusammengefasst, sieht das dann im Film so aus:</p>
<p>Ozzie arbeitet bei der CIA. Man wirft ihm Alkoholprobleme vor und kündigt ihm. Ozzie beschließt, seine Memoiren zu schreiben. Katie will sich von Ozzie scheiden lassen und wirft ihn aus dem Haus. Sie kopiert Daten von seinem Rechner, um in belasten zu können und gibt diese der Sekretärin ihres Rechtsanwalts. Die Sekretärin verliert die Daten in der Umkleidekabine eines Fitnesstudios. Linda braucht Geld für eine Schönheitsoperation. Sie findet eine CD mit scheinbar geheimen Dokumenten und verbündet sich mit Chad um aus dem Fund Kapital zu schlagen. Ozzie lässt sich aber nicht von Chad und Linda erpressen sondern nutzt alte Kontakte zur CIA um die beiden zu überwachen. Daraufhin bietet Linda die Daten der russischen Regierung an. Ozzie erfährt davon durch einen amerikanischen Spion in der russischen Botschaft. Linda bittet Chad, in Ozzies Haus neues Material zu stehlen. Harry betrügt Sandy mit Katie. Später lernt er Linda kennen und fängt auch mit ihr eine Affäre an. Als Harry alleine in Katies Haus ist bemerkt er, dass Chad eingebrochen ist, erschießt ihn und lässt die Leiche verschwinden. Als er das Haus verlässt stellt er fest, dass er beobachtet wird. Sandy will sich von Harry scheiden lassen und engagiert eine Kanzlei, belastendes Material zu sammeln. Ein Mitarbeiter der Kanzlei wird von Harry vor Katies Haus gestellt. Harry fühlt sich immer mehr verfolgt. Linda bittet ihren Chef Ted, ihr bei der Suche nach Chad zu helfen. Ted bricht in Ozzies Haus ein und wird von Ozzie erschossen. Daraufhin wird Ozzie von einem CIA-Agenten erschossen.</p>
<p><strong>Also nochmal:</strong> Chad, Ted und Ozzie sind (mehr oder weniger Tod), Harry ist geflohen, Sandy und Katie sind wieder solo.</p>
<p>Bei dem Versuch, den Anfang der Handlung zu bestimmen, gerate ich schwer ins Schleudern: War es die Kündigung Ozzies, der Diebstahl der Daten, der abgelehnte Zuschuss zu den Operationen oder das schlechte Gewissen Harrys? Alles hängt zusammen und jede Handlung hat eine andere Handlung zur Folge.</p>
<p><a title="WP: Piaget" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget" target="_blank">Piaget</a> unterscheidet zwischen isolierten und koordinierten oder sozialen Handlungen, die immer auch eine Interaktion mit dem Anderen bedeuten. Das auch scheinbar isolierte Handlungen zu Interaktionen führen können, zeigt <em>Burn after reading</em> ganz eindrucksvoll. So hängt alles doch irgendwie zusammen und bezieht sich aufeinander. Da erscheint mir <a title="WP: Donald Davidson" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Donald_Davidson">Davidsons</a> Erklärung schon ein wenig einleuchtender: Grund und Ursache sind nicht immer das Gleiche, da man die Intention einer Handlung als außenstehender nicht immer bestimmen kann. Über drei Ecken (auf die ich, wenn alles gut läuft noch zu sprechen komme) landen wir dann bei seinem zentralen Argument, dass sich psychische (Grund, Ursache) und physische (Handlung) Ereignisse wechselseitig bedingen. Womit wir wieder beim Anfang wären: Es gibt keine isolierten Handlungen!</p>
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		<title>Herzlich Willkommen!</title>
		<link>http://www.kaihennig.de/2009/hallo-welt</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Jul 2009 13:20:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Der erste Eintrag. Obligatorisch. Natürlich. Mehr nicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2009/07/profil.png"><img class="size-thumbnail wp-image-140 alignleft" title="KH" src="http://kaihennig.de/wp-content/uploads/2009/07/profil-150x150.png" alt="KH" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Der erste Eintrag. Obligatorisch. Natürlich. Mehr nicht.</p>
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