Nadia Budde: “Such dir was aus, aber beeil dich!”

Fischer Verlag, 2009. 192 Seiten.

Die 1967 in Ostberlin geborene Nadia Budde landete gleich mit ihrem Erstling „Eins zwei drei Tier“ einen großen Wurf und wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2000 ausgezeichnet. Zuvor war sie Gebrauchswerberin und studierte Grafik in Berlin und London. 2010 ist sie nun wieder nominiert mit „Such dir was aus, aber beeil dich!“. Hier beschreibt (nun, im Grunde bezeichnet sie ja) sie eine Kindheit in der DDR, irgendwo zwischen Propaganda und Kittelschürzen.

Wie eine Mutter, die von ihren Kindern bedrängt wird, endlich ihre Geschichte zu erzählen, beschreibt Nadia Budde, wie Kindheit war und packt dies in ihre Bilder. Klare Linien, flächige Farben, einfache Strukturen – die Zeichnungen sind nur vordergründig einfach, dahinter verbirgt sich ein Ost-Kosmos, ohne jemals wehmütig nach den „guten alten Zeiten“ zu verlangen. So sind es ja oft nicht die geschichtsträchtigen Ereignisse, durch die man sich erinnern kann und die Zeiten fühlt und schmeckt sondern die kleinen Krümel am Wegesrand, aus denen eine ganze Welt entsteht.

Nadia Budde behauptet nicht, sie erzählt einfach. So erzählt sie vom „Stadttod und Landtod“, überlegt, ob die Landfrauen nach ihrem Friseurbesuch anders aussehen oder stellt fest, dass sich die Wohnungen in der Stadt nicht vergleichen lassen, da sie vollkommen miteinander übereinstimmen.

Da wird geschmunzelt und es menschelt in allen Ecken, mal voller Tragik, mal voller Ironie, aber niemals mit erhobenem Zeigefinger.

Fazit:

Das Buch ist kein Mängelexemplar! Es ist eine wildgewordene Kreuzung aus Tagebuch, Graphic Novel, Bilderbuch und Kurzgeschichte – absolut lesenswert! So schließt diese Besprechung in Anlehnung an das Buch: Nach zwei braunen Doppelseiten haben Statler und Waldorf das Wort: „Applaus, Applaus, Applaus!“ Einzig verwunderlich bleibt, wie dieses Buch auf der Nominierungsliste zum Kinder- uns Jugendbuchpreis 2010 gelandet ist: Kindheit in der DDR aus autobiografischer Sicht erscheint mir dann doch eher etwas für eine ältere Generation.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>