Morton Rhue: “Asphalt Tribe”

Ravensburger-Verlag, 2005. 224 Seiten.

Heute geht es um das 2005 erschienene Buch “Asphalt Tribe” des Wellenmanns Morton Rhue.

Der Asphalt Tribe ist eine Gruppe von Straßenkindern, die im eisig-winterlichen New York versuchen, zu überleben. Zu ihrer Gruppe gehören noch andere Jugendliche: Jewel und 2Moro, die sich in Discos für Geld an Männer verkaufen, Tears, die von ihrem Stiefvater misshandelt wurde, Rainbow, die ritzt, Maggott, der die Welt verändern will und reiche Eltern hat oder OG mit seinem Hund Pest. Maybe erzählt, wie der Tribe Tag für Tag nach Nahrung sucht und Nacht für Nacht um einen Schlafplatz bangen muss. Sie berichtet über die Hoffnung, das Glück und die Aussichtslosigkeit. Ständig werden Sie dabei von der Angst begleitet vor Zuhältern und Freiern, der Polizei, Psychopathen, die Obdachlose umbringen oder übereifrigen Sozialarbeitern.

Ein Lichtblick in der Geschichte ist der Bibliothekar Anthony, den Maybe kennen lernt. Er gibt ihr Essen und Kleidung und versucht ihr zu helfen. Maybe kann das Angebot aber nicht annehmen: Ihr Leben ist ein völlig anderes geworden, als das, was Jugendhilfeeinrichtungen von ihr erwarten.

Der Tribe lebt vom Betteln, Diebstahl, Tricksereien und Prostitution. Aber er lebt nicht gut davon. Rhue berichtet fast teilnahmslos davon, als Außenstehender. Selbst wenn man so etwas wie einen Handlungsrahmen finden mag, hier geht es nicht um einen Geschichtsverlauf, hier werden Blitzlichter besprochen. Man findet keinen erhobenen Zeigefinger, nirgendwo in dem Buch bekommt man gesagt: „So darf das nicht sein, so soll es nicht werden.“ Die Wertung bleibt einzig dem Leser überlassen. Rhue zeigt nur, wie (kurzes) Leben auch sein kann. Maybe muss ertragen, wie sich der Stamm nach und nach auflöst, durch Unterernährung, Selbstmord, Mord oder Krankheit.

Ein aufwühlendes Buch.

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