Helen Vreeswijk: “Chatroom-Falle”

Loewe-Verlag, 2009. 303 Seiten.

Das Mauerblümchen Floor und ihre Freundin Marcia geraten über ein Flirtportal an eine Modelagentur.  Weder Floors gutgläubige und liebevolle Mutter, noch Marcias zerüttete Familie merken, dass es sich um ein reichlich unseriöses Angebot handelt.Bald stellt sich jedoch heraus, dass hinter der angeblichen Agentur ein Ehepaar steckt, dass mit den beiden fünfzehnjährigen pornografische Fotos machen möchte. Mit Drogen werden sie schließlich gefügig gemacht.

Der erste Teil des Buches gleicht einem konstruiertem Erziehungslehrstück. Vreeswijk versuch, die Einsamkeit Floors Verzweiflung Marcias zu erfassen und es gelingt ihr auch, die Ohnmacht der Jugendlichen zu beschreiben, aber die Personen wirken eher wie Schachfiguren, die aufgestellt werden und von vornherein nur nach festgelegten Regeln handeln dürfen. Die Dialoge sind geradezu platonisch konstruiert. Ein kleines Beispiel?:

Weißt du was, Floor, das ist unfair von dir! Du hast versprochen, mir zu helfen. Und jetzt kneifst du.” “Versprochen habe ich gar nichts, du hast mich gedrängt.

Es liegt mir fern, hier gegen selbstreflexive fünfzehnjährige anzuschreiben, aber bei allem Respekt: So wie Frau Vreeswijk sich das ausdenkt, spricht doch niemand! So gestelzt, so überlegt und sachlich? Dazu kommt noch, dass die Geschichte nicht immer logisch ist, da gibt es Brüche und Fehler, für deren Vermeidung man im Film ein Continuity benötigt. Im Buch wäre das wohl der Lektor…

Seis drum, im zweiten Teil wird es dann definitiv besser: Hier beschreibt Vreeswijk, wie die Polizei ermittelt und schließlich die Täter stellt. Da kennt sie sich aus und das merkt man – Helen Vreeswijk kommt aus dem Polizeidienst und arbeitet bei der niederländischen Kriminalpolizei. Die Polizisten handeln glaubhaft und man bekommt einen Einblick in die (niederländische) Ermittlungsarbeit. Hier entwickelt das Buch auch meiner Meinung seine großen Stärken in der Aufklärung über reale “Chatroom-Fallen”, nämlich dort, wo das Geschehene nur durchblitzt und die Folgen zu Tage gefördert wurden, dort, wo die Täter Mitgefühl verlangen und dort, wo Sachlichkeit verbindet.

Ich halte nichts von “Pflichtlektüre” aber Die “Chatroom-Falle” ist nicht nur ein Roman, sondern auch ein problemorientiertes Lehrstück und Ratgeber über Gefahren, die durch das Medium Internet entstehen können. Das Buch basiert – wie auch ihre anderen Bücher (“Im Visier des Stalker” und “Die Masche der Liebe”) auf realen Fällen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>