Chen Jianghong: “An Großvaters Hand”

Moritz Verlag, 2009. 80 Seiten.

Der kleine Ich-Erzähler berichtet von seiner Kindheit in China: Die Oma kocht und näht, die taubstumme Schwester geht in eine Gehörlosenschule und zeigt ihrem Bruder, wie man zeichnet, die Eltern kümmern sich gut um alle. Doch die wichtigste Bezugsperson für den Erzähler ist der Großvater, an dessen Hand er vieles kennenlernt. Dann beschließt Mao mit seiner Führungselite die Kulturrevolution und alles wird anders. Der Vater muss ins Umerziehungslager.

Eines Tages kommt die örtliche Führungsriege zur Großmutter und tötet die Hühner – das Letzte, woran sich die Großmutter noch halten konnte. An seinem achten Geburtstag tritt der kleine Ich-Erzähler dann den Rotgardisten bei und ist hellauf begeistert, das Politische hat sich im Leben des Protagonisten festgesetzt.

Ich liebe Comics und Bildgeschichten und allerlei Text-Bild-Kombinationen, doch mit Jianghongs Werk tue ich mir nach wie vor schwer. Freilich, seine Geschichte über eine Kindheit in China ist etwas neues – aber dieses “Problem” tragen doch alle Graphic Novels mit sich herum: Den Druck und Zwang, eine neue Geschichte erzählen zu müssen, um dem Genre eine Berechtigung zu geben. (Wer liest schon Texte mit Bild, wenn er “richtig” lesen kann? Ein Problem mit dem sich der Comic leider immer noch herumschlagen muss und dass ich hier mal besprechen sollte.) Doch die Bildgeschichte ist und kann weitaus mehr, als nur ein Trägermedium für nie dagewesens zu sein.

Ob Jianghong das erkannt hat ist mir nicht klar geworden. Er ist Zeitzeuge, aber sein Bilderbuch wirkt auf mich nur wie eine Trägermasse ohne Bezug zu dem, was eine Text-Bild-Kombination leisten kann. Seine Geschichte macht auf mich einen beliebigen Eindruck. Da finde ich wenig rezvolles, kann auch keine “meisterhaften Rhythmusstudien” entdecken. Ich werde mir demnächst mal Lian ansehen, vielleicht liegt es ja an mir. Das Buch hier ist schön. Aber belanglos.

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